Ria und Duke – Meine Straßenhunde

Wer steckt eigentlich hinter dem Frauchen von Dogs Wellnesstime? Das werden sich vielleicht einige fragen. Was hat mich dazu bewegt, so viele Ausbildungen rund um den Hund zu machen?

Die Antwort ist ganz einfach:

Duke und Ria.

Meine beiden Straßenhunde haben mein komplett Leben verändert und mir gezeigt, wie unterschiedlich Hunde sein können. Beide haben eine schwierige Vergangenheit und Erfahrungen gemacht, die sie bis heute prägen. Vieles davon kenne ich, anderes kann ich nur erahnen.

Sie sind meine persönlichen Lehrmeister geworden.

🐕 Duke – mein erster Straßenhund

Zuerst kam Duke.

Duke hatte ungefähr zwei Jahre auf der Straße gelebt und anschließend jeweils drei Monate in einem Shelter und in einem österreichischen Tierschutzhaus verbracht. Während dieser Zeit wurde er nicht kastriert.

Sein späterer Besitzer holte ihn schließlich aus dem Tierschutz. Da ich ihn bei der Auswahl des Hundes unterstützt hatte, fühlte ich mich auch ein Stück weit verantwortlich dafür, dass es Duke gut geht. Doch das Interesse an Duke hielt nicht lange an. Vielleicht auch deshalb, weil er nicht innerhalb weniger Tage zum perfekten Wunschhund wurde. Leinenführigkeit? Rückruf? Bindung? Alltagstauglichkeit? Nichts davon funktionierte einfach sofort, so kam Duke nach 2 Monaten zu mir.

🏠 Eine völlig neue Welt

Duke kannte fast nichts von dem, was für einen Familienhund selbstverständlich ist. Kein Auto.
Kein Haus. Keine Treppen. Kein Körbchen. Keine Leine. Keine alltäglichen Haushaltsgeräusche. Die Liste hätte sich noch lange fortsetzen lassen, denn er kannte nichts.

Er war ein Hund, der offenbar während seiner frühen Entwicklung nur wenig Kontakt zu Menschen gehabt hatte. Vieles musste er deshalb erst kennenlernen. Bis heute ist Duke kein besonders stressresistenter Hund. Belastende Situationen zeigen sich bei ihm häufig auch körperlich, insbesondere im Magen-Darm-Bereich.  Mit anderen Hunden ist er grundsätzlich sehr souverän. Bei unkastrierten Rüden sieht das allerdings anders aus – hier kann er deutlich machen, dass er seine Grenzen hat. Menschen gegenüber ist er bis heute vorsichtig. Irgendwo in seinen Genen steckt vermutlich auch ein kleiner Terrier. Das merkt man manchmal sehr deutlich: Duke kann unglaublich stur sein und gleichzeitig ein ausgeprägter Angsthund.

Ein ungewohntes Geräusch (besonders Böller, Schüsse, hochgedrehte Motoren) reicht manchmal aus, hier kann es auch zu Panikartigen Fluchtverhalten kommen und er möchte sofort zurück – am liebsten in sein sicheres Zuhause oder ins Auto.

🌳 Vertrauen braucht Zeit

Auch unsere Spaziergänge waren und sind manchmal eine Herausforderung. Duke braucht Zeit, bis er sich in einer Umgebung sicher fühlt und den Spaziergang wirklich genießen kann. Meine Aufgabe ist dabei, ihm Sicherheit zu geben, ruhig und konsequent zu bleiben und gleichzeitig zu erkennen, wann eine Situation für ihn zu viel wird und wir besser den Rückzug antreten. Das bedeutet nicht, dass ich ihm jede Entscheidung abnehme. Ich versuche vielmehr, ihm zu vermitteln:

Ich sehe dich.
Ich passe auf dich auf.
Du musst das nicht alleine schaffen.

Und dann gibt es noch Dukes große Leidenschaft:

Jagen.

Hase, Katze oder ein anderes kleines Bodentier – in diesen Momenten kann alles andere plötzlich unwichtig werden. Deshalb ist Duke draußen entsprechend gesichert und kann in vielen Situationen nicht einfach frei laufen. Seine Sicherheit und die Sicherheit anderer Tiere stehen dabei für mich an erster Stelle.

🚲 Schlechte Erfahrungen

Leider hat Duke auch schlechte Erfahrungen mit Radfahrern und E-Scootern gemacht. Mehrmals wurden wir auf Geh- bzw. Verkehrsflächen von sehr rücksichtslosen Fahrern bedrängt beziehungsweise angefahren. Seitdem reagiert Duke besonders auf Fahrzeuge, die direkt und schnell auf uns zukommen. Solche Erfahrungen verschwinden nicht einfach wieder, besonders weil sich dies mehrmals wiederholte und somit für ihn prägend war. Deshalb gehen meine Hunde in der Stadt grundsätzlich mit kurzer Leine und – entsprechend ihrer individuellen Situation – mit Maulkorb. Auch die Dunkelheit ist für Duke inzwischen mit negativen Erfahrungen verbunden. Besonders Feuerwerk, Böller, Schüsse und hochgedrehte Motoren sind für ihn ein großes Problem. Am liebsten ist er deshalb draußen, wenn es ruhig ist. Sein Lieblingsort ist eindeutig der Wald – auch wenn wir dort inzwischen ebenfalls immer wieder auf schnell fahrende Radfahrer treffen.

📚 Ich wollte verstehen, nicht aufgeben

Mit Duke besuchten wir mehrere Hundeschulen. Leider fanden wir dort nicht die Unterstützung, die wir für unsere ganz speziellen Herausforderungen gebraucht hätten. Auch ein Hundepsychologe konnte uns damals keine Lösung versprechen. Sinngemäß wurde mir gesagt:

„Mit diesem Hund müssen Sie leben. Er wird wahrscheinlich nie der Idealhund nach menschlichen Vorstellungen werden.“

Diese Aussage hat mich beschäftigt. Denn ich wollte gar keinen perfekten Hund. Doch ich wollte Duke helfen. Er hatte immer wieder Durchfall und Erbrechen, seine Ängste schränkten ihn stark ein und ich wusste irgendwann nicht mehr, was ich noch tun konnte. Eines wusste ich allerdings ganz sicher: Duke würde nicht wieder im Tierheim landen. Also begann ich, mich noch intensiver mit Hunden zu beschäftigen.

🎓 Mein Weg begann mit Duke

Ich begann die Ausbildung zur Hundemasseurin. Dort lernte ich unter anderem viel über Körperwahrnehmung, Entspannung und die Bedeutung von Ruhe. Doch Dukes Magen-Darm-Probleme bestanden weiterhin. Also folgte die Ausbildung zur Ernährungsberaterin und anschließend zur Bewegungs- und Fitnesstrainerin für Hunde. Dazu kamen unzählige Fachbücher – inzwischen sind es weit über 50, viele davon von Tierärztinnen und Tierärzten – sowie zahlreiche Fortbildungen. Ich wollte verstehen, was hinter seinem Verhalten und seinen körperlichen Reaktionen stecken könnte und vor allem, wie ich ihn im Alltag besser unterstützen kann. Nach meinen Ausbildungen, Prüfungen und weiteren Fortbildungen hatte ich schließlich das Gefühl, Duke immer besser lesen und begleiten zu können.

Und heute? Duke geht es gut. Nicht perfekt. Aber gut.

Er hat seine ganz eigenen Grenzen und Besonderheiten. Wir müssen unseren Alltag danach ausrichten. Mein Leben hat sich dadurch massiv verändert.Aber wir sind glücklich.

❤️ Dann kam Ria

Als ich dachte, ich hätte mit Duke schon meine ganz besondere Herausforderung gefunden, kam Ria in unser Leben. Ria hatte eine sehr schwere Vergangenheit. Nach den Informationen, die mir über ihre Geschichte bekannt sind, wurde sie bereits früh schwer misshandelt und musste auf der Straße überleben. Während ihrer ersten Läufigkeit wurde sie von einem Hirtenhund gedeckt. Es wurde versucht, die Trächtigkeit zu verhindern – dabei wurde Ria nach den Informationen, die mir vorliegen, getreten und geschlagen. Doch Ria gab nicht auf. Vier Welpen kamen zur Welt. Diese kleinen Wesen verteidigte sie mit aller Kraft. Sie wurde schließlich gemeinsam mit ihren Welpen eingefangen und nach Wien gebracht. Nachdem ihre Welpen vermittelt waren, wurde Ria kastriert. Dabei wurden Verletzungen im Unterleibsbereich festgestellt.Später entzündete sich die Operationsnaht und ging wieder auf. Ich lernte Ria bei einem Spaziergang kennen und durfte sie einmal massieren. Damals wusste ich noch nicht, dass sie irgendwann meine zweite große Lehrmeisterin werden würde.

🐾 Ria bekommt eine zweite Chance

Ria kam zunächst zu einer neuen Besitzerin. Diese war darüber informiert worden, dass Ria sehr selbstbewusst und territorial reagieren konnte, die Dinge des normalen Haushaltslebens nicht kannte und Menschen aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen misstrauisch gegenüberstand. Leider wurde ihre Vorgeschichte unterschätzt. Schon kurz nach ihrer Ankunft kamen Besucher zum Kennenlernen. Für Ria war das offenbar viel zu viel. Es kam zu einem Beißvorfall. Danach herrschte Panik und Angst. Ria musste weg. Plötzlich wollte niemand diesen Hund mehr. So wurde ich schließlich ihre letzte Möglichkeit. Mit ungefähr einem Jahr bekam Ria bei uns ihr Für-immer-Zuhause.

🧠 Auch bei Ria begann alles wieder von vorne

Das, was ich mit Duke gelernt hatte, konnte ich bei Ria nicht einfach kopieren.

Ria ist anders.

Sie lässt fremde Menschen nicht an sich heran und kann bei empfundenem Druck sehr deutlich reagieren.

Sie hat offenbar gelernt, dass Distanz nur dann entsteht, wenn sie Menschen aktiv auf Abstand hält. Das machte viele Dinge im Alltag schwierig. Auch mit Ria versuchten wir verschiedene Hundeschulen und Trainingsansätze. Doch viele klassische Wege funktionierten bei ihr nicht. Also begannen wir wieder ganz von vorne. In kleinen Schritten. Mit viel Geduld. Mit Rückschlägen. Immer wieder mit der Frage: Was braucht dieser Hund gerade wirklich?

🛴 Und dann passierte wieder etwas

Wir hatten uns bereits unglaublich viel erarbeitet. Ria konnte mit kurzer Leine und Maulkorb locker in der Stadt unterwegs sein. Für uns war das ein riesiger Fortschritt.

Dann wurde sie von einer E-Scooterfahrerin, die gemeinsam mit ihrem Kind unterwegs war am Gehsteig, angefahren. Das Kind erschrak verständlicherweise ebenfalls. Die Situation eskalierte anschließend. Weil wir sehr lange ,über eine Stunde, auf die Polizei warten  mussten und wurden währenddessen von Angehörigen der beteiligten Familie massiv bedrängt wurden.

Für Ria und Duke war das eine extreme Belastung. Ein Ereignis, das für einen anderen Hund vielleicht „nur“ ein Unfall gewesen wäre, konnte bei ihr an bereits vorhandene Ängste und Erfahrungen anknüpfen. Unserer Fortschritte waren danach wieder verschwunden. Bis heute lässt sie fremde Menschen kaum an sich heran. Selbst Hundetrainer oder Tierärzte kommen nur sehr schwer an sie heran. 

🎓 Deshalb lerne ich weiter

Und genau das ist einer der Gründe, warum ich mich schließlich selbst für die Ausbildung zur Hundetrainerin entschieden habe.

Nicht, weil ich glaube, bereits alles zu wissen.

Sondern genau aus dem Gegenteil heraus:

Weil ich noch mehr verstehen möchte.

Ria hat mir gezeigt, dass ein Trainingsplan niemals wichtiger sein darf als der Hund, der vor mir steht.

Sie ist eine fantastische Mäusejägerin. Ihr Jagdinteresse gilt aber auch Vögeln, Hasen und Katzen.

Mit Duke funktioniert sie erstaunlich gut. Andere Hunde akzeptiert sie dagegen nicht automatisch. Vielleicht spielen dabei ihre Erfahrungen mit ihren Welpen, ihre Vergangenheit und ihr gelerntes Verhalten eine Rolle. Was genau davon ursächlich ist, kann ich nicht sicher sagen.

Ich weiß nur:

Ria hat gelernt, für sich und ihre Familie zu kämpfen.

🐕 Ein Hütehund mit großem Herzen

Ria ist für mich ein typischer Hütehund.

Sie beobachtet ihr Rudel, bewacht ihr Zuhause und möchte ihre Menschen zusammenhalten. Gleichzeitig möchte sie gefallen. Wenn sie etwas verstanden hat und sich sicher fühlt, macht sie mit großer Begeisterung mit. Besonders liebt sie unser Fitnesstraining und die gemeinsamen Suchspiele mit Duke. Das sind die Momente, in denen ich immer wieder sehe, wie viel in diesem Hund steckt.

❤️ Warum ausgerechnet diese beiden?

Vielleicht fragst du dich jetzt:

Warum nimmt man sich zwei Hunde, die so viele Herausforderungen mitbringen?

Die Antwort ist:

Weil ich sie liebe. Ich die Hunde sehen konnte, die in meine Familie passen und wir uns der Herausforderung stellen wollten. Duke und Ria wären für viele Menschen wahrscheinlich sehr schwierig. Vielleicht wären sie ohne ihre passenden Menschen nur schwer vermittelbar. Sie sind keine schlechten Hunde. Sie sind Hunde mit einer Geschichte , die von schlechten Erfahrungen geprägt wurden. Diese Geschichte müssen wir berücksichtigen.

🏡 Unser Leben ist anders

Natürlich hat sich mein Leben durch die beiden verändert. Massiv sogar.

Mein früheres Hobby – Motorradfahren und damit die Welt zu erkunden – gehört heute weitgehend der Vergangenheit an. Mein Freundeskreis hat sich verändert. Besuche bei uns zu Hause sind selten und müssen gut geplant werden. Wenn Besuch kommt, werden die Hunde entsprechend gesichert und bekommen den Abstand, den sie brauchen. Spontane Unternehmungen sind nicht immer möglich. Unser Alltag ist anders als bei vielen anderen Menschen. Eben Hundeangepasst. Wir sind glücklich. Wir sind ein kleines, manchmal ziemlich chaotisches Team und genau dieses Team möchte ich nicht mehr missen.

🌿 Meine beiden „Angsthunde“

Duke und Ria werden von außen vielleicht als „Problemhunde und manchmal als aggressiv“ abgestempelt.

Für mich sind sie zwei Hunde, die besondere Bedürfnisse haben und hektische, respektlose Menschen sagen bitte halte Abstand zu mir. 

Sie brauchen andere Rahmenbedingungen.

Mehr Management.

Mehr Geduld.

Mehr Rücksicht.

Auch klare Grenzen.

Aber sie brauchen vor allem eines:

Menschen, die sie nicht auf ihre Probleme reduzieren.

Ich habe durch sie gelernt, dass Hunde Gefühle haben, Angst empfinden, Erfahrungen speichern und auf ihre Umwelt reagieren. aber auch das Sie Freude, Liebe und Zutrauen empfinden. Das nicht jeder Hund mit denselben Regeln, Befehlen oder Trainingsmethoden erreicht werden kann.

🐾 Was Duke und Ria mir beigebracht haben

Meine beiden Hunde haben mich dazu gebracht, immer weiter zu lernen.

Sie haben mich zu meinen Ausbildungen geführt.

Zu unzähligen Fachbüchern, Fortbildungen und schließlich zu Dogs Wellnesstime.

Denn Wissen ist wichtig, Erfahrung ist ebenfalls wichtig.

Und manchmal hilft ein ehrliches Gespräch mit einem anderen Hundehalter mehr als tausend Regeln und Befehle. Sich mal alles von der Seele reden und keine Vorwürfe zu bekommen, dafür steht Dogs Wellnesstime. Ich möchte mit dieser Website mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben – nicht als allgemeingültige Anleitung, sondern als Anregung. Denn jeder Hund ist anders und jeder Mensch ebenfalls.

Was bei meinen Hunden funktioniert, muss für deinen Hund noch lange nicht das Richtige sein.

❤️ Zum Schluss

Duke und Ria haben mir gezeigt, dass ein Hund nicht perfekt sein muss, um ein glückliches Leben zu führen. Manchmal müssen wir Menschen unsere Erwartungen verändern, anstatt den Hund verändern zu wollen. Wir können ihnen nicht ihre Vergangenheit nehmen. Wir können manche Ängste nicht einfach wegtrainieren, aber wir können ihnen Sicherheit geben, ihre Grenzen respektieren und ihnen helfen, mit unserer menschlichen Welt zurechtzukommen.

Duke und Ria haben vielleicht nicht das einfachste Leben mit mir.
Aber sie haben ein Zuhause für immer und dürfen Hund sein.

Ich würde mich jederzeit wieder für sie entscheiden. Sie sind es mir wert, weiterzulernen, auch für andere Hunde. Für die Menschen, die gemeinsam mit ihren Hunden ihren ganz eigenen Weg finden möchten.

Das ist Dogs Wellnesstime. 🐕❤️