Kräuter – Unterstützung von der Natur
Kräuter und Gewürze sind nicht nur aus unserer Küche bekannt. Auch in der Ernährung von Hunden können bestimmte Pflanzen eine interessante Ergänzung darstellen.
Kräuter sind jedoch kein Ersatz für eine tierärztliche Behandlung. Sie können den Körper je nach Pflanze und individueller Situation begleitend unterstützen.
Dabei gilt: Nicht jedes Kraut ist für jeden Hund geeignet. Alter, Gewicht, Gesundheitszustand, Medikamente und die jeweilige Dosierung spielen eine wichtige Rolle.
Kräuter richtig einsetzen
Viele Kräuter eignen sich eher für eine zeitlich begrenzte Anwendung als für eine dauerhafte tägliche Fütterung.
Eine pauschale Regel, dass jedes Kraut maximal drei Monate gegeben werden darf, gibt es allerdings nicht. Die geeignete Dauer hängt von der jeweiligen Pflanze und dem Grund der Anwendung ab.
Auch bei Kräutern gilt deshalb:
So wenig wie nötig und so gezielt wie möglich.
Die Dosierung sollte immer an das Produkt, das Gewicht und die individuelle Situation des Hundes angepasst werden. Eine allgemeine Menge wie „ein halber Teelöffel pro 10 kg“ ist nicht auf jedes Kraut übertragbar.
Viele Kräuter können frisch oder getrocknet verwendet werden. Bei Samen und festen Pflanzenteilen kann das Zerkleinern sinnvoll sein.
Wichtig bei Medikamenten
Wenn dein Hund Medikamente bekommt, solltest du die Anwendung von Kräutern vorher mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt besprechen.
Bestimmte Pflanzen können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen oder sind bei bestimmten Erkrankungen nicht geeignet.
Das gilt beispielsweise auch für Mönchspfeffer, Weißdorn oder andere Pflanzen mit pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoffen.
Chlorophyll
Chlorophyll ist der grüne Pflanzenfarbstoff und spielt bei der Photosynthese eine wichtige Rolle.
Grüne Pflanzen enthalten neben Chlorophyll zahlreiche weitere Pflanzenstoffe. Deshalb können frische Kräuter und geeignete Pflanzenteile eine abwechslungsreiche Ergänzung der Ernährung darstellen.
Pauschale Aussagen über eine „Entgiftung“ oder heilende Wirkung von Chlorophyll sollten jedoch vermieden werden. Die Wirkung hängt immer vom jeweiligen Pflanzenstoff und der Menge ab.
Eine Auswahl beliebter Kräuter
Die folgende Übersicht soll dir einen ersten Einblick geben. Sie ersetzt keine individuelle Beratung und enthält bewusst keine allgemeinen Dosierungsangaben, da diese je nach Pflanze, Produkt und Hund unterschiedlich sein können.
Oregano
Oregano wird traditionell zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt und enthält verschiedene ätherische Öle und Pflanzenstoffe.
In kleinen Mengen kann er als Gewürzkraut Bestandteil der Ernährung sein.
Eine gezielte Anwendung bei Parasiten oder Erkrankungen sollte jedoch nicht als Ersatz für eine tierärztliche Behandlung verstanden werden.
Mariendistelsamen
Mariendistel beziehungsweise ihr Wirkstoffkomplex Silymarin wird traditionell im Zusammenhang mit der Leber eingesetzt.
Mariendistelsamen können auch zu Öl verarbeitet werden.
Bei bestehenden Lebererkrankungen sollte eine Anwendung mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgestimmt werden.
Hagebutte
Hagebutten enthalten unter anderem Vitamin C, Carotinoide und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Hagebuttenpulver wird häufig als natürliche Ergänzung eingesetzt und kann in kleinen Mengen Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung sein.
Bei bestehenden Erkrankungen sollte die Anwendung individuell abgestimmt werden.
Weißdorn
Weißdorn wird traditionell zur Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt.
Da er auf den Kreislauf und das Herz wirken kann, sollte er bei herzkranken Hunden oder bei gleichzeitiger Medikamentengabe nicht ohne fachliche Rücksprache eingesetzt werden.
Brennnessel
Junge Brennnesselblätter können getrocknet oder entsprechend zubereitet verfüttert werden.
Brennnessel enthält unter anderem Mineralstoffe und verschiedene Pflanzenstoffe und wird traditionell zur Unterstützung des Stoffwechsels und der Harnwege eingesetzt.
Bei Nieren- oder Herzerkrankungen sowie bei Medikamentengabe sollte die Anwendung vorher abgeklärt werden.
Fenchel
Fenchel kann frisch oder als Samen verwendet werden. Ganze Samen sollten bei Bedarf vorher zerkleinert werden.
Traditionell wird Fenchel vor allem bei Blähungen und leichten Verdauungsbeschwerden eingesetzt.
Löwenzahn
Blätter und Blüten des Löwenzahns können in kleinen Mengen verfüttert werden.
Die Pflanze enthält unter anderem Bitterstoffe und wird traditionell zur Unterstützung von Verdauung und Appetit eingesetzt.
Thymian
Thymian enthält ätherische Öle und wird traditionell vor allem im Zusammenhang mit den Atemwegen und der Verdauung verwendet.
Bei konzentrierten Zubereitungen ist besondere Vorsicht geboten. Ätherische Öle sollten Hunden nicht eigenständig oral verabreicht werden.
Mönchspfeffer
Mönchspfeffer wird traditionell bei bestimmten hormonabhängigen Beschwerden eingesetzt.
Da die Pflanze auf den Hormonhaushalt wirken kann, sollte sie nicht ohne fachliche Beratung eingesetzt werden.
Das gilt insbesondere bei:
- unkastrierten Rüden und Hündinnen
- Scheinträchtigkeit
- hormonabhängigen Beschwerden
- Hormonmedikamenten
- unklaren Verhaltensveränderungen
Eine pauschale Dosierung oder Anwendungsdauer kann hier nicht empfohlen werden.
Teufelskralle
Teufelskralle wird traditionell bei Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt.
Sie kann unter anderem bei Gelenkbeschwerden eine begleitende Rolle spielen. Bei Hunden mit Magen-Darm-Problemen oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme sollte die Anwendung vorher tierärztlich abgeklärt werden.
Melisse
Melisse wird traditionell wegen ihrer beruhigenden Eigenschaften eingesetzt.
Sie kann insbesondere als milde pflanzliche Ergänzung bei Unruhe oder stressbedingten Verdauungsbeschwerden interessant sein.
Bei ausgeprägten Ängsten oder Verhaltensproblemen sollte jedoch immer auch die Ursache betrachtet werden.
Rosmarin
Rosmarin enthält verschiedene ätherische Öle und antioxidative Pflanzenstoffe.
Kleine Mengen als Küchenkraut können für viele Hunde geeignet sein. Eine konzentrierte Anwendung sollte dagegen nicht ohne fachliche Beratung erfolgen.
Salbei
Salbei wird traditionell im Zusammenhang mit Mundraum, Hals und Verdauung eingesetzt.
Aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle sollte Salbei jedoch nicht hoch dosiert oder über längere Zeit ohne fachliche Empfehlung verabreicht werden.
Sanddorn
Sanddorn enthält unter anderem Vitamin C und verschiedene Pflanzenstoffe.
Die Beeren können in kleinen Mengen als Ergänzung eingesetzt werden. Auch Sanddornöl wird in der Ernährung und Pflege verwendet.
Aussagen über eine Senkung des Krebsrisikos oder eine Behandlung von Erkrankungen sollten jedoch nicht aus der Verwendung von Sanddorn abgeleitet werden.
Kurkuma
Kurkuma enthält den Pflanzenstoff Curcumin und wird traditionell unter anderem zur Unterstützung der Verdauung und bei entzündlichen Prozessen eingesetzt.
Die Aufnahme von Curcumin aus dem Verdauungstrakt ist allerdings begrenzt und die Wirkung hängt von der jeweiligen Zubereitung ab.
Bei Medikamentengabe oder bestehenden Erkrankungen sollte die Anwendung vorher abgeklärt werden.
Passionsblume und Baldrian
Beide Pflanzen werden traditionell zur Unterstützung bei Unruhe und Anspannung eingesetzt.
Sie können bei bestimmten Hunden eine beruhigende Wirkung haben.
Bei starken Ängsten oder Verhaltensproblemen sollte die Ursache jedoch fachlich beurteilt werden. Eine pflanzliche Ergänzung ersetzt kein gezieltes Verhaltenstraining oder eine notwendige medizinische Behandlung.
Kamille
Kamille wird traditionell bei leichten Magen-Darm-Beschwerden und zur Beruhigung eingesetzt.
Auch äußerlich wird sie teilweise verwendet.
Bei empfindlichen Hunden sollte zunächst mit kleinen Mengen gearbeitet werden, da auch Pflanzen allergische Reaktionen auslösen können.
Petersilie
Petersilie kann in kleinen Mengen als frisches Küchenkraut verfüttert werden.
Bei größeren Mengen ist jedoch Vorsicht geboten. Besonders bei trächtigen Hündinnen und Hunden mit bestimmten gesundheitlichen Problemen sollte Petersilie nicht eigenständig in größeren Mengen eingesetzt werden.
Ingwer
Ingwer enthält verschiedene Pflanzenstoffe und wird traditionell unter anderem zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt.
Der Geschmack ist intensiv, weshalb zunächst nur sehr kleine Mengen verwendet werden sollten.
Bei Magenproblemen oder Medikamentengabe sollte die Anwendung vorher abgeklärt werden.
Ginkgo
Ginkgo wird traditionell im Zusammenhang mit Durchblutung und kognitiver Funktion eingesetzt.
Gerade bei älteren Hunden sollte jedoch zunächst tierärztlich abgeklärt werden, ob tatsächlich eine gesundheitliche Veränderung vorliegt.
Ginkgo kann außerdem mit bestimmten Medikamenten wechselwirken.
Vorsicht bei „natürlichen Entwurmungsmitteln“
Ein Punkt ist mir besonders wichtig:
Kräuter sollten nicht als zuverlässiger Ersatz für eine nachgewiesene Parasitenbehandlung betrachtet werden.
Das gilt beispielsweise für Produkte oder Pflanzen, denen eine Wirkung gegen Würmer zugeschrieben wird.
Bei Verdacht auf einen Parasitenbefall ist eine Kotuntersuchung beziehungsweise tierärztliche Beratung sinnvoll. Je nach Erreger ist eine gezielte Behandlung erforderlich.
Von festen „Entwurmungskuren“ mit Kräutern würde ich daher ohne vorherige fachliche Abklärung abraten.
Auch bei Produkten wie Kamala-Fruchthaarpulver sollte die Anwendung nicht eigenständig als Entwurmung durchgeführt werden. Besonders bei Welpen, trächtigen Hündinnen, kranken oder geschwächten Hunden ist Vorsicht geboten.
Noch viele weitere Kräuter
Die hier vorgestellten Pflanzen sind nur eine kleine Auswahl.
Es gibt eine große Vielfalt an Kräutern und Pflanzen, die traditionell in der Hundeernährung und begleitenden Pflege eingesetzt werden.
Auf Dogs Wellnesstime möchte ich nach und nach weitere Pflanzen vorstellen – jeweils mit Informationen zu Anwendung, möglichen Einsatzgebieten und wichtigen Vorsichtsmaßnahmen.
Wenn du ein bestimmtes Kraut vermisst, kannst du mir gerne schreiben. Vielleicht nehme ich es in die nächste Ergänzung dieser Seite auf.
Meine Buchempfehlung
„Heilpflanzen für Hunde“ von Dr. med. vet. Alexandra Nadig
Ein Fachbuch kann eine gute Möglichkeit sein, sich ausführlicher mit einzelnen Heilpflanzen und ihrer Anwendung auseinanderzusetzen.
Trotzdem gilt auch hier: Natürlich bedeutet nicht automatisch harmlos. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Welpen, trächtigen Hündinnen oder älteren und gesundheitlich vorbelasteten Hunden sollte die Anwendung von Heilpflanzen immer individuell abgestimmt werden.