BARF – Hier die Kurzerklärung dazu
BARF steht ursprünglich für „Biologisch artgerechte Rohfütterung“. Gemeint ist eine Fütterungsform, bei der verschiedene tierische und pflanzliche Komponenten individuell zusammengestellt werden.
BARF kann eine Möglichkeit sein, den eigenen Hund frisch zu ernähren. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen: Eine selbst zusammengestellte Ration ist nicht automatisch ausgewogen. Damit dein Hund langfristig mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird, müssen unter anderem Calcium, Jod, Vitamine, Mineralstoffe und essentielle Fettsäuren berücksichtigt werden.
🐕 Wie viel Futter braucht mein Hund?
Wie viel ein Hund tatsächlich benötigt, hängt von vielen Faktoren ab:
- Körpergewicht und Größe
- Alter
- Aktivität und Bewegungsumfang
- Kastrationsstatus
- individueller Stoffwechsel
- Gesundheitszustand
- Leckerlis und Nebenbei-Schmankerl
Ein kleiner, erwachsener Hund mit wenig Bewegung hat beispielsweise einen ganz anderen Energiebedarf als ein großer, sportlich aktiver Hund. Auch Leckerlis, Kauartikel, Käse vom Tisch oder kleine Zwischenmahlzeiten gehören zur täglichen Energiezufuhr und sollten deshalb bei der Gesamtmenge berücksichtigt werden.
⚖️ Die Futtermenge ist individuell
Im Internet findet man viele einfache Rechenformeln für BARF. Diese können einen ersten Eindruck vermitteln, sind aber keine zuverlässige Bedarfsberechnung für jeden Hund. Gerade Faktoren wie Aktivität, Alter, Kastration und individueller Stoffwechsel können den Energiebedarf deutlich verändern. Deshalb sollte die Futtermenge regelmäßig anhand von Körpergewicht, Körperkondition und Aktivität angepasst werden. Ein kastrierter Hund benötigt ca. 20 % weniger Futter, da sich der Energiebedarf nach der Kastration verändert – wie stark, ist individuell.
🍖 Wie kann eine BARF-Ration aufgebaut sein?
Eine BARF-Ration besteht typischerweise aus verschiedenen Komponenten, zum Beispiel:
- Muskelfleisch
- Pansen oder Blättermagen
- geeigneten Innereien
- tierischen Fettquellen
- Knochen bzw. einer geeigneten Calciumquelle
- Fisch
- Gemüse und je nach Rationsgestaltung etwas Obst
- geeigneten Kohlenhydratquellen wie Reis oder Kartoffeln
- Ölen und weiteren bedarfsgerechten Ergänzungen
Wichtig: Es gibt nicht die eine richtige Prozentaufteilung, die für jeden Hund passt. Die Zusammensetzung sollte sich am tatsächlichen Nährstoffbedarf des einzelnen Hundes orientieren. Besonders bei einer langfristigen selbst zusammengestellten Ration lohnt sich deshalb eine professionelle Rationsberechnung durch eine qualifizierte Ernährungsberatung.
🦴 Knochen und Calcium
Rohe Knochen können Bestandteil einer BARF-Ration sein, sind aber nicht für jeden Hund geeignet. Größe, Art und Menge müssen zum Hund passen. Gekochte Knochen dürfen nicht verfüttert werden, da sie splittern und Verletzungen verursachen können. Wer keine Knochen füttern möchte oder kann, kann Calcium beispielsweise über geeignete Präparate wie Knochenmehl oder Eierschalenpulver zuführen. Auch hier sollte die benötigte Menge zur gesamten Ration passen. Es ist nicht notwendig, jeden Tag dieselbe Knochenmenge zu füttern. Entscheidend ist vielmehr, dass die Versorgung mit Calcium und anderen Nährstoffen über die gesamte Ration zuverlässig gewährleistet ist.
🍳 Gemüse, Obst und weitere Zutaten
Gemüse kann je nach Rationsgestaltung einen wichtigen Bestandteil darstellen. Geeignet sind beispielsweise Karotten, Zucchini, Kürbis oder Gurke. Auch Obst kann in kleinen Mengen gefüttert werden. Beeren, Apfel, Birne oder Banane sind mögliche Ergänzungen. Bei Obst und anderen kleinen Extras gilt jedoch: Auch kleine Mengen zählen zur Gesamtration. Gerade bei Training, vielen Leckerlis oder zusätzlichen Kauartikeln kann sich über den Tag einiges summieren.
🐟 Fisch als Abwechslung
Fisch kann eine wertvolle Proteinquelle sein und liefert je nach Art unter anderem Omega-3-Fettsäuren. Ob Fisch regelmäßig Bestandteil der Ration sein sollte und ob zusätzlich Fischöl benötigt wird, hängt von der gesamten Futterzusammensetzung ab.
🥛 Milchprodukte und Ei
Laktosefreie Milchprodukte wie Naturjoghurt, Hüttenkäse oder ausgewählte Käsesorten können – wenn der Hund sie verträgt – als Bestandteil oder Leckerli eingesetzt werden. Auch Ei kann eine gute Protein- und Nährstoffquelle sein. Wie häufig und in welcher Menge es sinnvoll ist, hängt von der übrigen Ration ab. Käse wird gerade im Training gerne als Belohnung eingesetzt. Dabei sollte die Menge nicht vergessen werden – auch Käse zählt zur täglichen Energiezufuhr.
🍲 Wenn du für deinen Hund kochst
Wer statt Rohfütterung lieber kochen möchte, sollte bei der Rationsberechnung grundsätzlich mit den Ausgangsmengen der Zutaten arbeiten, da sich Gewicht und Wassergehalt durch das Garen verändern. Das Kochwasser von Fleisch und geeignetem Gemüse kannst du – sofern es keine ungeeigneten Zutaten enthält – häufig mit verfüttern. Es enthält unter anderem wasserlösliche Bestandteile, die beim Kochen in die Flüssigkeit übergehen können. Bei Kartoffeln oder Nudeln sollte das Kochwasser dagegen nicht einfach übernommen werden, insbesondere wenn Salz oder andere Zusätze enthalten sind.
🧀 Mein Käseleckerli-Rezept
Käse eignet sich für viele Hunde hervorragend als besondere Belohnung.
Du brauchst:
- 50 g geriebenen Hartkäse
- 1 Ei
Beides gut miteinander vermengen, auf einer Leckerlibackmatte verteilen und bei etwa 160 °C backen, bis die Masse fest ist.
Ich bereite häufig gleich eine größere Menge zu. Bei größeren Mengen solltest du die fertigen Leckerli anschließend entsprechend portionieren und bei der täglichen Futtermenge berücksichtigen. Oft gebe ich noch Kräuter hinzu.
📅 Nicht jeder Tag muss gleich aussehen
Eine ausgewogene Ernährung muss nicht bedeuten, dass jeden Tag exakt dieselben Zutaten im Napf landen.
Abwechslung ist möglich – entscheidend ist aber, dass die Gesamtversorgung über einen sinnvollen Zeitraum ausgewogen bleibt. Gerade bei Knochen, Innereien, Fisch oder Ei sollte die gesamte Ration betrachtet werden und nicht nur ein einzelner Tag.
Das bedeutet auch: Ein „Obsttag“ oder ein Tag mit besonders vielen Leckerlis sollte nicht einfach zusätzlich zur normalen Futtermenge stattfinden. Die gesamte Energie- und Nährstoffzufuhr muss weiterhin zum Hund passen.
🧮 Ein Beispiel
Nehmen wir einen kastrierten Hund mit 20 kg Körpergewicht. Er geht morgens eine Stunde, mittags eine Stunde und abends zwei Stunden spazieren. Trotzdem lässt sich aus diesen vier Stunden allein nicht zuverlässig eine bestimmte Grammzahl Futter berechnen. Denn entscheidend ist nicht nur die Dauer der Spaziergänge. Auch Tempo, Aktivität, Spiel, Training, Alter, Körperkondition, Stoffwechsel und die Zusammensetzung des Futters spielen eine Rolle. Deshalb würde ich bei einem solchen Hund zunächst den individuellen Energie- und Nährstoffbedarf bestimmen und die tatsächliche Futtermenge anschließend anhand der Gewichtsentwicklung und Körperkondition anpassen.
⚠️ Warum eine Rationsberechnung sinnvoll ist
Das Ziel einer Fütterung sollte nicht nur sein, dass dein Hund satt wird. Er muss mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden.
Dazu gehören unter anderem:
- Proteine und essentielle Aminosäuren
- Fette und essentielle Fettsäuren
- Calcium und Phosphor
- Jod
- Zink und andere Spurenelemente
- Vitamine
- Energie
Fehlen dauerhaft wichtige Nährstoffe oder werden sie im falschen Verhältnis zugeführt, können langfristig Mangelerscheinungen oder andere gesundheitliche Probleme entstehen. Gerade bei Welpen, Junghunden, trächtigen Hündinnen, Senioren oder Hunden mit Erkrankungen ist eine individuelle Berechnung besonders wichtig.
🌿 Nahrungsergänzungen
Kräuter, Öle, Mineralstoffpräparate oder andere Ergänzungen können je nach Ration sinnvoll sein. Sie sollten aber nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ eingesetzt werden. Bei einer selbst zusammengestellten Ration ist es sinnvoller, zunächst zu prüfen, was tatsächlich fehlt, und genau das gezielt zu ergänzen. Auch fertige BARF-Ergänzungsmischungen können eine praktische Möglichkeit sein. Achte dabei darauf, dass sie zur jeweiligen Ration passen und tatsächlich die benötigten Nährstoffe abdecken.
🐾 Und was passiert, wenn dein Hund älter wird?
Mit zunehmendem Alter verändern sich bei vielen Hunden Aktivität, Muskelmasse und Energiebedarf. Deshalb sollte die Fütterung regelmäßig überprüft und angepasst werden. Nicht jeder ältere Hund benötigt automatisch Nahrungsergänzungsmittel wie MSM oder andere Präparate. Entscheidend ist immer, was dein Hund tatsächlich braucht.
💚 BARF muss nicht kompliziert sein
Ich weiß, dass das Thema BARF gerade am Anfang sehr kompliziert wirken kann. Es gibt unzählige Tabellen, Prozentangaben und unterschiedliche Empfehlungen – und genau das kann schnell verunsichern.
Diese Seite soll deshalb nur eine verständliche Einführung geben.
Wenn du deinen Hund langfristig selbst zusammenstellen möchtest, ist eine individuelle Rationsberechnung eine gute Möglichkeit, Sicherheit zu bekommen. So kannst du die Fütterung an deinen Hund anpassen und gleichzeitig vermeiden, dass wichtige Nährstoffe übersehen werden. Denn gutes Futter soll nicht nur satt machen – es soll deinen Hund auch bedarfsgerecht mit allem versorgen, was er für ein gesundes und aktives Leben benötigt.
Gesunde Ernährung ist Dogs Wellnesstime
📖 Meine Buchempfehlung – auch für Katzenfreunde
„Rohkäppchen und der zahnlose Wolf“ von Dr. med. vet. Jutta Ziegler
Ein Buch für alle, die sich näher mit Rohfütterung beschäftigen möchten.
🍽️ Nachfolgend findest du einige Menüvorschläge
Die folgenden Menüs sollen dir Inspiration geben. Bei einer dauerhaften selbst zusammengestellten Fütterung sollten die Rezepte immer auf den individuellen Bedarf deines Hundes abgestimmt werden.